Werbungskosten im Studium

Kurz gesagt ...

Bei Werbungskosten im Studium und in der Ausbildung handelt es sich um ein steuerlich komplexes Themengebiet, das durch eine dynamische Rechtsprechung geprägt ist. Deswegen können wir dir nachfolgend keinen vollumfänglichen Einblick geben, sondern versuchen dir ein Grundverständnis sowie die wesentlichen Informationen zu vermitteln.

 

 

 

Kosten small

Was sind „Werbungskosten“

Werbungskosten sind Ausgaben, die mit deiner Ausbildung oder beruflichen Beschäftigung zusammenhängen und anfallen. Im Fall eines Studiums oder einer Weiterbildung handelt es sich also um Ausgaben, die du im Rahmen dieser Ausbildung hattest.

 

Nachfolgend findest du ein paar Beispiele, die du als Werbungskosten geltend machen kannst: 

 

  • Semesterbeitrag oder Studiengebühren
  • spezifische Pauschalen für Verpflegung
  • spezifische Pauschalen für den Weg zur Uni
  • Ausgaben für das Auslandssemester
  • Ausgaben für Fachliteratur und Lernmittel
  • Ausgaben für Arbeitsmaterial (Laptop, Schreibwaren, usw.)
  • Ausgaben für Sprachkurse und Repetitorien
  • Ausgaben im Rahmen von Praktika
  • Kosten für die Berufssuche (Fahrtkosten, Übernachtungskosten, Bewerbungskosten usw.)

... und vieles mehr (die vollständige Liste dazu findest du in deinem Benutzeraccount).

 

Deine vom Finanzamt anerkannten Werbungskosten kannst du von deinem zu versteuernden Einkommen abziehen und erhältst somit eine Steuerrückerstattung. Da die meisten Studenten während dem Studium noch kein Einkommen beziehen, können sie aus den anerkannten Werbungskosten den so genanten Verlustvortrag bilden. Das bedeutet, dass du deine Ausgaben für deine Zweitausbildung "sammeln" kannst und mit der Steuerzahlung deines ersten Einkommens nach der Ausbildung verrechnen kannst. Du erhältst dann eine Rückerstattung und beteiligst somit das Finanzamt an deinen Ausbildungskosten.

 

Beispiel:

Du hast ein zweijähriges Masterstudium absolviert und konntest für diese zwei Jahre Studienkosten in Höhe von EUR 12.000 steuerlich als Werbungskosten geltend machen. Somit beträgt dein Verlustvortrag EUR 12.000. Nach dem Studium beginnst du nun zu arbeiten. Dein Einkommen im ersten Jahr beläuft sich auf EUR 38.000 und die Steuer, die du dafür als "Single" zahlst, beträgt EUR 8.246. Durch die Nutzung deines Verlustvortrags erhältst du am Jahresende eine Rückerstattung, da du nur EUR 26.000 (EUR 38.000 - EUR 12.000) versteuern musst. Die Steuerzahlung für deine berechneten Einkünfte nach Verlustvortrag betragen EUR 4.342. Du erhältst vom Finanzamt also eine Rückerstattung von EUR 3.906 zurück.

 

 

 Ausbildung small

Erstausbildung oder Zweitausbildung

Bei der Frage, ob du das Finanzamt an deinen Ausgaben für deine Ausbildung beteiligen kann, spielt die Art deiner Ausbildung eine wichtige Rolle.


Momentan lautet der Grundsatz:
Die Kosten für deine Zweitausbildung werden steuerlich anerkannt, die von deiner Erstausbildung momentan nicht.


Aber was ist eigentlich eine Erstausbildung und eine Zweitausbildung?


Erstausbildung

  • Dauer von mindestens 12 Monaten.
  • Klar definiertes Ende der Ausbildung (z. B. Abschlussprüfung, Regelzeit der Ausbildung).
  • Ausbildung, die auf Grundlage von Rechts- oder Verwaltungsvorschriften oder durch einen Bildungsträger durchgeführt wird. 

 

Beispiele für Erstausbildungen sind: Bachelorstudium, Berufsausbildung, Diplomstudium, usw.

 

Zweitausbildung (bzw. Weiterbildung)

Weitere Ausbildungen nach Abschluss einer Erstausbildung.


Beispiele für Zweitausbildungen sind: Masterstudium, Promotion, Bachelorstudium (nach Berufsausbildung), MBA, Praktika nach einer Erstausbildung, Bachelor im dualen Studium (genauere Prüfung notwendig) usw.

 

 

 

Learn small 

Studenten, Absolventen, Berufseinsteiger?
Wen betrifft es denn?

Du bist in der Zweitausbildung oder hast eine Zweitausbildung bereits erfolgreich abgeschlossen, dann solltest du dich ohne Zweifel angesprochen fühlen. Es spielt keine Rolle, ob du bereits in deinen ersten Berufsjahren bist oder dich noch in deinem Zweitstudium befindest. Denn solange du für die Jahre deiner Zweitausbildung noch keine Steuererklärung eingereicht hast, kannst du dies 7 Jahre lang rückwirkend tun und somit deine Werbungskosten deiner Zweitausbildung geltend machen. Bis zum 31.12.2016 kannst du also die Kosten für Zweitausbildungen, die bis zum Jahr 2009 zurückliegen, rückwirkend geltend machen.

 

Auch wenn du bisher keine Erstausbildung abgeschlossen hast, ist die Geltendmachung deiner Ausbildungskosten relevant. Momentan kannst du zwar diese Kosten für deine Erstausbildung noch nicht steuerlich geltend machen, allerdings gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Entscheide des Bundesfinanzhofs über die Verfassungswidrigkeit der Nichtanerkennung von Erstausbildungskosten. Die Entscheide wurden in die oberste Instanz zum Bundesverfassungsgericht weitergegeben, von dem für das Jahr 2016/2017 eine Entscheidung erwartet wird. Schließt sich das Bundesverfassungsgericht der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs an, wären rückwirkend ( 7 Jahre) auch Erstausbildungskosten geltend machbar.

 

Für dich - als Person, die sich in einer Erstausbildung befindet oder als Absolvent einer Erstausbildung - heißt dies nun das Urteil des Bundesverfassungsgericht abwarten. Du solltest allerdings auch darauf achten, dass du keine Werbungskosten für deine Erstausbildung "verlierst", wenn diese bereits 6 bzw. 7 Jahre zurückliegt.

 

 

 

Achtung small

Und noch zu beachten ...

Folgende Punkte solltest du noch beachten:

 

  • Noch keine eingereichten Steuererklärungen: Du hast für die Jahre, für die du deine Studiumskosten geltend machen willst, noch keine Steuererklärung eingereicht.
  • Deutsche Steuerpflicht: Um eine Rückerstattung zu erhalten, musst du in Deutschland steuerpflichtig sein und dein Einkommen dort versteuern. Selbst wenn du deinen ersten Job im Ausland hast, ist es ratsam deine Werbungskosten trotzdem geltend zu machen. Denn dadurch erhältst du einen Verlustvortrag, den du auch zu einem beliebig späten Zeitpunkt geltend machen kannst. Entscheidest du dich also nach einigen Berufsjahren im Ausland nach Deutschland zurückzukehren, winkt dir in Deutschland eine Rückerstattung vom Finanzamt. Das Land deiner Ausbildung spielt keine Rolle, solange sich dein Lebensmittelpunkt in Deutschland befunden hat.
  • Einkünfte und Tätigkeiten neben der Ausbildung: Falls du neben deiner Ausbildung Einkünfte hast, die eine spezfische Höhe übersteigen, besteht die Gefahr, dass dein Verlustvortrag durch die Verrechnung mit diesen Einkünften verbraucht wird. Bei monatlichen Einkünften zwischen EUR 450 und EUR 900 während deiner Ausbildung oder deinem Studium solltest du deine Möglichkeiten dringend noch einmal mit deinem MASTERTAX-Ansprechpartner besprechen, da du in diesem Fall bares Geld verlieren könntest. Ein monatliches Einkommen von unter EUR 450 stellt in der Regel kein Problem dar. Finanzielle Unterstützung von deinen Eltern oder Verwandten in deiner Ausbildung ist in der Regel ebenfalls unproblematisch.
  • Zeitraum: Dein derzeitiger Berufs- und Ausbildungsstatus spielt keine Rolle. Unabhängig davon ob du dich bereits im Beruf befindest, in deinem Gap Year oder noch in deiner Zweitausbildung bzw. deinem Zweitstudium, kannst du die Ausgaben für deine Zweitausbildung 7 Jahre rückwirkend steuerlich geltend machen.